Was ist Ergotherapie?

Ergotherapie im Bereich der Neurologie kommt zur Anwendung bei Erkrankungen im zentralen Nervensystem wie zum Beispiel Multiple Sklerose, Schlaganfällen, Tumoren. Aber auch bei Schädelhirntraumen oder bei verschiedenen Arten der Lähmung. Eben überall dort, wo durch Krankheiten oder andere Verletzungen die körperliche, seelische oder geistige Selbständigkeit gefährdet ist.

Trainiert wird

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Eigene Erfahrungen

Probleme vor den Therapien

-Ich wusste nicht mehr , wo sich mein linker Arm befand, wenn ich ihn nicht gesehen habe....ich spürte ihn nicht mehr....

-Meine Finger links waren taub....rechts etwas weniger....

-Ich konnte links nichts mehr ertasten....rechts war es besser....

-Ich konnte nicht mehr schreiben....nicht mehr meine Schuhe binden....links nichts mehr festhalten....nicht mehr mit Messer und Gabel essen und mir mein Essen nicht mehr alleine schneiden oder meine Brötchen selber schmieren....



Nach den Therapien

Ich wusste wieder, wo sich mein linker Arm befand, auch wenn ich ihn nicht gesehen habe....ich spürte ihn wieder....

-Meine Finger waren kaum noch taub....

-Ich konnte alles wieder ertasten....

-Ich konnte wieder schreiben....wieder meine Schuhe binden....links alles wieder festhalten.....wieder mit Messer und Gabel essen und mein Essen wieder alleine schneiden und meine Brötchen wieder alleine schmieren....

Bestimmt war an diesen Besserungen auch die Kortisongabe (niedrige Dosis) beteiligt. Aber ich denke mal, dass auch die Ergotherapie mir sehr viel gebracht hat.



Die Behandlung

Sensibilitätsschulung:

Die folgende Übung ist für die Tiefensensibilität


Die Ergotherapeuten berührte meinen linken Arm und brachte ihn in eine bestimmte Position....zum Beispiel nach links ausgestreckt....mit dem rechten Arm musste ich dann die Bewegung nachmachen....dieselbe Position einnehmen....mit dem rechten Arm nach rechts....MIT GESCHLOSSENEN AUGEN....




Eigentlich müssten meine Arme auf gleicher Höhe sein....sind sie nicht....was man so alles auf Fotos bemerkt ;-)....




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Die nächsten Übungen sind für die Oberflächensensibilität.


Gegenstände tasten


Auf dem nächsten Bild seht ihr all die Gegenstände, die ich für mich selber zusammengesucht hatte. Den Igelball, das Stück Holz, den Stein und das Medikamentenröhrchen legte ich mir auf einen Haufen. Mit geschlossenen Augen probierte ich immer wieder, die Gegenstände zu ertasten und herauszufinden, was ich da in der Hand hatte. Am Anfang war ich mir nicht mal sicher, ob in meiner linken Hand überhaupt etwas war oder nicht. Das erste, was ich wieder fühlen konnte, war der Igelball. Ich hatte zeitenweise auch eine Papprolle dabei. Aber die hab ich wieder rausgenommen, weil ich überhaupt nicht abschätzen konnte, mit welcher Kraft ich jetzt die Papprolle anfasste. Irgendwann war sie ziemlich platt ;-). Zusätzlich habe ich mir noch ein Spiel gekauft mit Holzstücken in verschiedenen Formen. Am Anfang ging es wieder um das Ertasten. Welche Form hat der Gegenstand? Gegen später versuchte ich dann, die Gegenstände mit der linken Hand in das passende Loch der Holzkiste hineinzuwerfen. Mit den Qi Gong-Kugeln habe ich meine Hände immer wieder bewegt, massiert. Die Schnur hab ich zum „Schleife binden üben“ genommen



Wichtig für den Anfang war, die Gegenstände einfach einmal zu ertasten. MIT visuellem Kontakt. Spüren, wie der Gegenstand, eine Fläche sich anfühlt. Vielleicht auch mal im Gesicht oder an einer anderen Stelle nachspüren. Nach und nach werden die Übungen dann mit Tüchern oder mit geschlossenen Augen durchgeführt. Manchmal habe ich mich gefühlt wie bei meinen Sinnesübungen, die ich auf meiner Meditationsseite beschrieben habe. Bei meinem Sinnesübungen hatte ich versucht, mit den Händen „zu sehen“, alles zu fühlen, zu spüren. Und jetzt war es wieder so. Im Grunde musste ich wieder lernen, wie ein kleines Kind meine Hände spielerisch zu entdecken. Und es war einfach schön, wenn ich einen kleinen Fortschritt bemerkte. Das, was früher selbstverständlich war, wurde jetzt zu etwas ganz Besonderem.


In der Ergotherapie sollte ich im Sand vergrabene Gegenstände (zum Beispiel eine Wäscheklammer, einen Stift, einen Löffel oder eine Holzring und noch viel mehr) finden und erraten, was das jetzt war, das ich in der Hand hielt. Am Anfang war das immens schwierig. So nach und nach gelang mir immer mehr. Es gibt auch die Möglichkeit, die Hände in erwärmten Sand zu halten und mit den Fingern durchzufahren. Das war bei mir nicht möglich, da meine Hände eh schon zu heiss waren (warum wusste keiner). Ich wurde dafür mit Eiswasser behandelt und abends holte ich mir immer Kältepackungen, um meine Hände damit zu kühlen. Durch die Kälte besserte sich auch die Spastik, die ich in den Fingern hatte.


Durch das Drüberstreichen über unterschiedliche Oberflächen-Materialien (verschiedene Teppiche, Watte, Leder, Bürsten) konnte ich üben, die Unterschiede in den Materialien wiederzuerkennen und herauszuspüren.


Vielleicht kennt jemand die Spiele Halma oder Solitaire. Bei diesen Spielen werden Holzstifte von einem Loch in ein anderes gesteckt. Allerdings sind die Stifte in der Ergotherapie um ein Vielfaches grösser. Ich hätte nie so kleine Spielsteine in der Hand halten oder greifen können, wie sie bei einem „normalen“ Spiel dabei sind.



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Schreiben üben


Da ich nicht mehr schreiben konnte, wurden auch hier Übungen gemacht. Zuerst bekam ich einen Stift, der in einen moosgummiähnlichen Schlauch eingezogen war (Bild), damit der Griff dicker wird. (Mit dem Essbesteck war es übrigens auch so. Das Besteck war mit einem dickeren Griff versehen und als Messer bekam ich ein Sägemesser mit Zacken.)




Ich bekam ein Blatt wie die Erstklässler, wenn sie ihre Buchstaben üben. Darauf habe ich dann Kreise oder Linien oder Zacken in die vorgezeichneten Linien geschrieben, auch ausserhalb der Ergotherapie. Meinen Schreibversuchen fehlte das Weiche, das Runde. Nach und nach wurden meine Schriftzüge aber wieder leserlicher. Ich brauchte zwar noch sehr lange, um etwas zu schreiben, aber mich drängte ja niemand. Und mir wurde auch gesagt, dass ich die Schreibversuche nur so lange machen soll, wie es mich nicht überanstrengt. Weil ansonsten die Spastik, so eine Art Verkrampfung wieder da war.


Auf Übungsblättern bekam ich dann vorgezeichnete Linien zum Nachfahren. In kleine Quadrate sollte ich Punkte einzeichnen und vorgegebene Punkte verbinden. Ein andermal habe ich geübt, etwas auszuschneiden.



Arbeit mit Knet


Beispiele:


-Knet mit beiden Händen zu einer Kugel formen


-Kugel mit Hilfe der Finger drehen


-Kugel formen mit einer Hand, Wurst mit beiden Händen ausrollen, Vertiefungen machen wie im Bild, auf der linken Seite der Wurst die einzelnen Finger in je eine Vertiefung legen, dann den Zeigefinger in die nächste Vertiefung auf der rechten Seite bewegen (weiterwandern), danach mit Mittelfinger, Ringfinger und kleiner Finger ebenso verfahren und dann wieder mit dem Zeigefinger beginnen (bis zum Ende auf der rechten Seite).



-Kugel formen mit einer Hand, Knet auf den Tisch drücken, mit Zeigefinger und Daumen oder Mittelfinger und Daumen etwas Knet nehmen und nach aussen ziehen (Fäden ziehen). Sieht dann so ähnlich aus wie eine Spinne ;-).



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Gedächtnistraining


Für die neuropsychologischen Übungen möchte ich die Seite von Jürgen Blocher empfehlen. Er hat eine Menge Übungen zu diesem Thema auf seiner Homepage.... www.blocher-online.de


In der Reha in Allensbach nahm ich jeden Tag an einer Gruppe teil, die Gedächtnistrainig anbot. Ausserdem hatte ich jeden Tag für eine halbe Stunde ein Training am Computer mit Übungsprogrammen zur Konzentration, Merkfähigkeit, Reaktion und Aufmerksamkeit . Dieses Computerprogramm heisst Cogpack und ich halte es für sehr sinnvoll. Es besteht die Möglichkeit, unter www.cogpack.com oder www.markersoftware.com eine Demoversion von diesem Programm anzufordern.




Krankengymnastik


In der KG bekam ich ein langes, dickes Seil. Damit sollte ich üben, Schleifen zu binden. Diese Übung war sehr hilfreich, weil meine Hände noch nicht über soviel Feinmotorik verfügten, dass sie mit kleinen Schnüren zurecht gekommen wären.


Mit dem Kgler zusammen Igelbälle werfen, fangen und aufheben. Ringe fangen.


Die Ergotherapeutin, bei der ich war, machte mit mir auch Übungen zur Stärkung der Bauchmuskulatur und des Beckenbodens. Sie sagte, dass, wenn dieser Bereich gestärkt wäre, auch die andere Körperteile wie Beine oder Rücken oder Arme davon profitieren würden.



Haushaltstechnik


In der Haushaltstechnik lernt man, Kräfte zu sparen und unnötige Wege und Arbeitsvorgänge zu vermeiden. Ausserdem wird einem der Einsatz von Hilfsmitteln gezeigt. Auf dem unteren Foto sind zwei Hilfsmittel, die ich in dieser Zeit benötigte. Ein Brett mit Nägeln zum Fixieren für das Schneiden von Zwiebeln oder Kartoffeln oder Äpfeln und so weiter. Ausserdem ist auf dem Foto eine rutschfeste Unterlage für Teller, Töpfe, Schüsseln und anderes.






Beschäftigungstherapie

In der Beschäftigungstherapie gibt es verschiedene Angebote wie Seidenmalerei, Korb flechten oder Tonen. Da bei den meisten Angeboten eine gute Feinmotorik benötigt wird, habe ich mich für die Tropftechnik beim Seidenmalen entschieden. Das bedeutet, dass man keine Linien zeichnen muss, sondern einfach nur Farbtropfen auf´s Tuch fallen lässt.



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© GabiGödrich