Gleichgewicht und immer wiederkehrender Wandel im täglichen Leben
Hier möchte ich noch ein paar Sätze aufschreiben, die für mich sehr wichtig geworden sind.
Als Erweiterung des Gleichgewichts in uns selbst ist es wichtig, auch im Umgang mit anderen, mit den täglichen Anforderungen und unseren eigenen Bedürfnissen und in unserer Lebensgestaltung diese Ausgewogenheit herzustellen.
Bewusste Lebensgestaltung beginnt mit der Ausgestaltung eines einzigen Tages und bezieht sich auf alle Situationen bis hin zur Gesamtgestaltung unseres Daseins. Bei allem, was wir tun, ist es notwendig, den Rhythmus zwischen Spannung und Entspannung, zwischen Ruhe und Aktivität miteinzubeziehen.
Möglichkeiten, Entspannung und Ruhe zu finden, sind auf dieser Seite näher beschrieben. Doch auch der Rhythmus im Tagesablauf kann uns zu Harmonie führen, wenn wir die Entspannung nicht nur in der Durchführung von Übungen finden, sondern auch in der Ausgestaltung der Zeit von einem Tagesabschnitt zum anderen.
Jeder von uns hat vielleicht schon einen Morgen erlebt, an dem er zu spät aufgewacht ist und in aller Eile das Haus verlassen musste und das Gefühl hatte, dass von da an alles schiefging und die innere Ruhe sich nicht einstellen wollte.
Oder dass wir abends von der Arbeit heimkamen und nicht abschalten konnten, weil schon der nächste Termin oder neue Anforderungen auf uns warteten und wir am nächsten Tag ein Gefühl des Nichtausgeruhtseins hatten.
Oder dass ein Problem vom Tag uns so beschäftigte, dass wir spät abends immer noch nicht davon loslassen konnten.
Aber auch eine abrupte, allzu scharfe Trennung (meine Arbeit ist beendet, jetzt habe ich Ruhe und Freiheit) kann Unzufriedenheit mit sich bringen, weil wir dadurch Gefahr laufen, Abschnitte des Tages in gut und schlecht einzuteilen.
Ich denke, dass es wichtig ist, sich Übergänge zu schaffen, umd jeden Augenblick bewusst wahrzunehmen....um vom Alten loslassen zu können und offen für Neues zu sein. Ein solcher Übergang ist für mich zum Beispiel das ruhige Angehen des Tages. Ich selbst stehe lieber früher auf und kann so die morgendliche Ruhe geniessen, bevor das Haus nach der Nacht wieder belebter wird. Und ich versuche, Verabredungen oder andere Termine so zu legen, dass ich zwischendurch noch Zeit für mich selber habe. Dies gibt mir das Gefühl, dass die unterschiedlichen Abschnitte des Tages zusammengehören und ich nicht von einem Extrem ins andere stolpere.

Auch im Jahreslauf können solche Übergänge geschaffen werden, die uns von der Anspannung zur Entspannung führen und umgekehrt. Ich kenne Menschen , die den Wechsel zwischen Arbeit und Urlaub so vollziehen, dass sie, sobald ihr letzter Arbeitstag beendet ist, ihre Koffer packen und losfahren oder einen Tag vor dem neuen Arbeitsbeginn völlig gestresst von der Fahrt zurückkommen und sagen:Jetzt könnte ich noch einmal Urlaub gebrauchen!. Hier findet kein Loslassen vom Alten statt, sondern ein abrupter Wechsel ohne Übergang.
Was für einen harmonischen Ablauf unseres Lebens auch sehr wichtig ist, ist das Schaffen von Höhepunkten, von Aktivitäten, die wir gerne machen oder uns in Spannung versetzen, uns vom Alltagstrott wegführen und unserem Leben eine andere Richtung geben. Aktivitäten oder Dinge, die wir langsam wachsen lassen, auf die wir uns freuen und die ihren Abschluss in der Erfüllung der Vorfreude finden....von denen wir anschliessend wieder loslassen, um uns wieder etwas Neuem zuzuwenden.
Das hat auch damit zu tun, dass wir in unserer Entwicklung nicht stehen bleiben und uns auf schon Erreichtem und auf Sicherheiten ausruhen dürfen. Unser Leben unterliegt einem ständigen Wandel. Dem können wir ausweichen oder wir können uns dem Neuen anpassen. Anpassung bedeutet für mich nicht Passivität....sondern eine Aktivität in dem Sinn, dass wir versuchen, die neue Situation wieder auszuloten....die neuen Bedingungen ins Gleichgewicht zu bringen mit unseren eigenen Vorstellungen und Wünschen....
In unserem Leben finden immer wieder kleine Tode statt....unser Leben verändert sich....mal mehr, mal weniger. Ich kann nur von mir selber sprechen. Mir sind diese kleinen Tode in meinem Leben immer wieder begegnet. Manchmal ist wirklich jemand gestorben...manchmal war es ein symbolischer Tod....es ist nicht immer leicht, es so anzunehmen, dass etwas oder jemand nicht mehr da ist oder sich einfach verändert hat.
Wir können das Neue ablehnen oder es annehmen....wenn wir es annehmen und versuchen das Gleichgewicht wiederherzustellen, sind wir auf dem Weg zu einem toleranteren und vorurteilsfreieren Denken.....auch uns selbst gegenüber :-). Für mich ist es so, dass sich nach dem Schliessen einer Tür irgendwo anders wieder eine neue Türe öffnet. Und dass hier etwas ganz Neues entstehen kann. Wenn man sich traut, durch die neue Türe durchzugehen.
Krankheitsbewältigung: Meditation,Visualisieren,Psychotherapie
© GabiGödrich